CDU-Zukunftsforum Kreis Soest 2030 – Wie wollen wir künftig leben?
Werkstattgespräch „Integration ist wichtig!“, 5. Oktober 2011
Impulsreferat „Zuhause im Kreis Soest“, Landrätin Eva Irrgang, Mitglied des Beirates der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
Landrätin Eva Irrgang schildert zunächst die Ausgangslage. Das Thema „Integration“ wird derzeit auf allen Ebenen diskutiert. Schon heute hat jeder fünfte Einwohner des Kreises Soest einen Migrationshintergrund. Die vielen Migranten sind ein großes Potential für die Gegenwart und Zukunft. Seit 2009 gibt es beim Kreis Soest ein Integrationsteam für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Seit dem Jahr 2009 führt der Kreis Einbürgerungsfeiern als Willkommensbegrüßung der neuen deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger durch. Damit wird ein Zeichen gesetzt, dass Migranten im Kreis Soest willkommen sind.
Das Projekt „Willkommen im Kreis Soest“ erarbeitet die Integrationsangebote und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts sind eine Anlauflaufstelle für Menschen mit Migrationshintergrund, die in den Kreis Soest kommen. Migranten erhalten ein umfangreiches Informationsangebot und ein Willkommenspaket mit praktischen Hinweisen und Nützlichem für den Alltag, wie z. B. einen Duden. Ein besonderes Anliegen ist die Unterstützung der jungen Migranten und Migrantinnen, dies gilt insbesondere für die Unterstützung bei der Wahl und dem Durchlaufen des richtigen Bildungsweges.
Der Integrationspreis „Zuhause im Kreis Soest“ wird für die Förderung der Integration von Eltern und Kindern vergeben. Mit der Verleihung soll Bewusstsein geschaffen werden.
Integration sieht Eva Irrgang als gesellschaftliche Daueraufgabe. Die Gesellschaft muss sich, ebenso wie die Kreisverwaltung, für Menschen mit einem Migrationshintergrund öffnen. Ein besonderes Augenmerk bedarf der frühkindliche Bildung.
Podiumsgespräch „Integration ist wichtig – aber wie?“ mit Bülent Arslan (NRW-Landesvorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums der CDU), Brigitte Evers-Seelig (Lehrerein an der Kopernikusschule Lippstadt) und Amandeep Sharma (stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Lippstadt)
Amandeep Sharma betont, dass Integration ein Bündnis auf Gegenseitigkeit ist. Er bemängelt, dass Migranten oft mit Vorurteilen belegt werden, kritisiert aber auch, dass auch Migranten teilweise die Deutschen mit Vorurteilen belasten.
Brigitte Evers-Seelig weist insbesondere auf die Sprachprobleme hin. Dies gilt aber nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Eltern. Die Kommunikation, u.a. bei Elternsprechtagen, mit den Eltern ist vielfach problematisch und aufgrund von Verständigungsproblemen ist es teilweise nicht möglich, den Eltern ein objektives Bild vom Verhalten und von der Entwicklung ihrer Kinder zu geben. Im organisatorischen Bereich weist sie auf die erforderliche Rücksichtnahme hin. Dies gilt beispielsweise bei der Mittagsverpflegung in der Mensa, aber auch bei Sportunterricht, gerade während des Ramadans. Das Tragen von Kopftüchern wird in der Schule zwar akzeptiert bzw. toleriert, erweist sich aber spätestens beim Vorstellungsgespräch und bei der Berufswahl als hinderlich. Zudem merkt man im Alltag durchaus, dass es bei manchen Migranten ein Rollen- bzw. Frauenbild gibt, das dem unserer Gesellschaft widerspricht.
Bülent Arslan schickt seinen Ausführungen voraus, dass Integration mittlerweile Konjunktur hat. Das Deutsch-Türkische Forum beabsichtigt, dass mehr Migranten den Weg in die Parteien finden. Auch Migranten muss die Möglichkeit der politischen Partizipation gegeben werden. Die Wirtschaft erkennt mittlerweile die Potentiale der Migranten. Sie erkennt zunehmend ihre interkulturellen Fähigkeiten, die im Zeitalter der zunehmenden internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen immer wichtiger wird. Das Thema „Integration“ wird nicht irgendwann abgeschlossen sein. Auch in Zukunft werden wir uns um Zuzug bemühen, nur so kann auf Dauer dem Fachkräftemangel begegnet werden. Er fordert auf, insbesondere die Bildung der „unteren Schichten“ zu fördern. Schule muss mehr mit den Eltern arbeiten, denn die Eltern sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Die Mehrsprachigkeit vieler Migranten muss verstärkt als Potential begriffen und genutzt werden.
Diskussion
In der Diskussion wird eine Reihe von Aspekten angesprochen. Wiederholt wird auf die Bedeutung der Kenntnis der deutschen Sprache hingewiesen. Besonders die Schule als Bildungseinrichtung hat eine besondere Verantwortung. Die Schule wird auch als Ort des „Zusammenlebens“ herausgestellt. Entsprechend ist es auch Aufgabe der Schule, deutsche Schüler mit Schülern mit einem Migrationshintergrund zu „mischen“, d.h. keine Klassenverbände mit reinen „Migrantenkindern“ zu bilden. Auch die Aktivitäten in den Familienzentren sind auszubauen. An die deutsche Bevölkerung wird appelliert „Fremdheit zuzulassen und als Bereicherung zu verstehen“.
Angesprochen wird zudem die Problematik der Anerkennung der Schul- bzw. Ausbildungsabschlüsse, die nicht in Deutschland erworben wurden.
Das Impulsreferat von Landrätin Eva Irrgang finden Sie hier
Fotos zu der Veranstaltung finden Sie hier
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